Grosser Angelus
(alias L'Angelo Grande)

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Ortlergebirge, Südtirol, Italien

Höhe:3521mKategorie:Bergtour - schwer
Höhendifferenz: 1700Hm *) Wintertauglich: nein
Ausgangsort: Sulden
Aufstieg: Düsseldorfer Hütte, Reinstadler-Route
Abstieg: s. Aufstieg
Hauptexposition: S, W, NW

Beschreibung
*) bei Verwendung des "Kanzel"-Lifts sind's 400 Hm weniger
__ Aufstieg Düsseldorfer Hütte: hier gibt's zwei Möglichkeiten: a) von der nördlichen Umgehungsstraße zwischen St.Gertraud und Innersulden nach NO und auf sehr guten Wegen durchs malerische Zaytal. Im oberen Teil wendet sich der Steig nach N und vereinigt sich mit dem breiten Weg, der vom Kanzellift herüberkommt. Das letzte Stück auf etwas steileren Serpentinen zur scho lange sichtbaren Hütte. b) Von St.Gertraud entweder per Sessellift oder direkt unter der Lifttrasse auf dem Fahrweg hinauf zur sog. "Kanzel". Dann auf sehr bequemem Weg überwiegend recht flach nach N, wo der Weg aus dem Zaytal (s.o.) einmündet. Über die etwas steileren Serpentinen hinauf zur Hütte.
__ Aufstieg Gipfel: Von der Hütte wandert man flach am See vorbei nach O in das weitläufige Tal, passiert den Abzweig zur Tschenglser Hochwand und einen weiteren Gletschersee bis zum Beginn der ausgewiesenen "Reinstadler-Route". Immer noch in O-Richtung sucht man sich nun einen Weg durch den wechselnd steilen Moränenschutt (Steigspuren, gute Markierungen) und arbeitet sich an den Gratausläufer heran, der -schon von der Hütte aus sichtbar- zum Angelus hinaufzieht. Dem nach SO führenden Gratausläufer folgt man noch bis zu einer Höhe von 3070m, wo übergangslos der Steilaufschwung beginnt. Das erste sehr steile Stück kann man noch umgehen, indem man den Farbmarkierungen nach links und nicht den Seilversicherungen folgt. Für die nächsten ca. 200Hm bewegt man sich in ausgesprochen steilem Terrain; eine Folge steiler Rinnen und ein exponierter Quergang sind dabei gut versichert. Das letzte Stück hinauf zu einer Geländekante ist unvermindert steil und exponiert, allerdings aber unversichert; hier ist einfache Kraxelei (I, einzelne, kurze Stellen II) verlangt. Nach einem kurzen kaminartigen Ausstieg lehnt sich das Gelände etwas zurück, in SO-Richtung geht es flacher und mit mehr Geh-Anteilen über mittelsteiles Blockwerk am rechten Gletscherrand entlang. Über mehrere kurze Aufschwünge (leichte Blockwerk-Kraxelei, nicht exponiert) arbeitet man sich an den letzten Steilaufschwung heran, der erfreulicherweise überwiegend auf sandigen Steigspuren überwunden wird. Nun folgt man dem Gratverlauf nach O, unterwandert auf grobem Blockwerk und Gletscherschliffen einen markanten Felsgupf auf der linken Seite, steigt ab in eine kleine Scharte und erreicht den Gipfel mit seinem ungewöhnlichen Kreuz über Blockwerk und lose Platten.
__ Hinweis: wer außerhalb der Hauptsaison (Ende Juli - Ende August) unterwegs ist, sollte sich vorher unbedingt über die Betriebszeiten des Kanzelllifts informieren. Die sind nämlich etwas unorthodox: in der Nebensaison fährt das Teil nur an bestimmten Wochentagen!
__ Vorsicht: die Schwierigkeiten am Angelus hängen maßgeblich von den äußeren Bedingungen ab. Am besten wartet man, bis der Grat schneefrei ist (sonst Steigeisen notwendig) und absolut stabile Wetterverhältnisse herrschen. Die Begehung des Restgletschers im oberen Teil ist möglich (Steigeisen!), er darf aber nicht "abgefahren" werden (Steilabbruch!)

Fazit
Ob der Hohe Angelus ein schöner Berg ist, nun da kann man streiten. Über weite Strecken bewegt man sich in etwas trostlosem Moränenschutt oder in wüsten Blockwerkhalden, die kein zügiges Fortkommen erlauben. Die gut 200m hohe Steilwand im Mittelteil und der schmale Grat am Rande des Gletschers dürfen aber durchaus als spannend bezeichnet werden. Untadelig ist allerdings die umfassende Aussicht am Gipfel und die Nahblicke auf den spektakulären Hängegletscher der Vertainspitze nebenan. Auch bei besten äußeren Bedingungen sollte der Besteiger perfekte Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und Kraxelgeschick (bis II) mitbringen. Auch Kondition braucht es reichlich: aufgrund des anspruchsvollen Terrains muss mit stark erhöhter Gehzeit gerechnet werden (offizielle Angabe: 3h ab Hütte). In der Umgebung der Düsseldorfer Hütte gibt es noch weitere interessante Gipfelziele jenseits der 3000 (z.B. HInteres Schöneck, Tschenglser Hochwand), so dass man eine Übernachtung in der modernen und gut geführten Hütte erwägen sollte.

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