Mädelegabel

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Allgäuer Alpen, Bayern, Deutschland

Höhe:2645mKategorie:Klettersteig - leicht, Bergtour - schwer (Gipfelaufbau)
Höhendifferenz: 1550Hm *) Wintertauglich: nein
Ausgangsort: Holzgau/Lechtal
Aufstieg: Rossgumpen-Alm, Kemptner Hütte (Übernachtung), Heilbronner Weg
Abstieg: Heilbronner weg, Kleine Steinscharte, Schochen-Almen, Rossgumpen-Alm
Hauptexposition: NO (Aufstieg); SW (Abstieg)

Beschreibung
*) erheblicher Mehrbedarf durch viel Auf und Ab am Höhenweg!
__ Hüttenaufstieg: vom Pp. an der Holzgauer Volksschule folgt man dem Fahrweg zunächst flach ins Höhenbach-Tal (N); an einer schluchtartigen Verengung mit dem Simms-Wasserfall geht es kurz in Serpentinen etwas steiler hinauf. Zwischen dem Café Uta (geschlossen, Stand 2011) und der Rossgumpen-Alm wandert man flach und sehr bequem auf guter Fahrstra?e den Bach entlang. Rechts von der Rossgumpen-Alm beginnt das Steiglein zur Kemptner Hütte, das zu Beginn in steilen Serpentinen den Hang hinaufführt und dabei einige Male einen neu angelegten Karrenweg kreuzt (er endet ein kurzes Stück weiter, Stand 2011). Nun immer auf der linken Bachseite weiter in N-Richtung taleinwärts, bis kurz nach der Oberen Rossgumpen-Alm der Weg scharf nach links (NW) abknickt (beschildert). In bequemer Steigung auf gutem Weg hinauf ins Obere Mädelejoch und auf der anderen Seite mit ca. 150Hm Verlust hinunter in den grünen Wiesensattel mit der Kemptner Hütte (Übernachtung). Als Abendspaziergang bietet sich der Muttlerkopf an (s. Tipp 1).
__ Gipfelaufstieg: von der Hütte zunächst auf dem Aufstiegsweg zurück, kurz vor Erreichen des Mädelejochs zweigt der Heilbronner Weg rechts (SW) ab. In leichtem Wiesengelände "unterwandert" man die Flanke des Kratzers und quert ohne nennenswerten Höhengewinn in einem weitem Linksbogen hinüber zu einem kleinen See, wo man oft auf Steinböcke trifft. Auf gutem Steig schräg unterhalb des Mädelegabel-Massivs hindurch nach W; ein kurzer versicherter Aufschwung leitet hinauf zu einem plateau-artigen Absatz, wo man erstmals einen Blick auf den Schwarzmilzferner werfen kann. Einstiege zum Mädelegabel-Gipfel gibt es zwei und beide sind etwas undeutlich zu finden. Der einfachere befindet sich gleich hinter dem gerade beschriebenen, seilversicherten Riegel auf dem plateau-artigen Absatz (man steht hier direkt unterhalb des Gipfelkreuzes). Nun sollte man einfach an geeigneter Stelle über leichte Schrofen etwas nach oben steigen (in Richtung Gipfelkreuz), schon nach wenigen Hm trifft man auf Steinmanndl, die etwas nach links (NW) hinüberleiten, wo man dann auch wieder auf zuverlässige Markierungen trifft und über eine schmale Rampe an den Felssfuss gelangt. Hier "landet" man auch, wenn man direkt am rechten Rand des Gletschers ein steiles Geröllfeld hinaufstapft (2. Einstiegsmöglichkeit). Der weitere Anstieg besteht durchgehend aus Kraxelei im Grad I bis I+, wobei einige exponierte Stellen zu bewältigen sind (guter Fels, kein Gebrösel).
__ Heilbronner Weg: Das flache Eisfeld des Schwarzmilzferner wird nun nach links überquert (SW, ggf. Grödel nützlich); ein gerölliger Aufschwung und eine weitere Querung bringen uns zur Bockkar-Scharte mit Abstiegsmöglichkeit zum Waltenberger Haus; der schroff aussehende Bockkarkopf wird auf felsigen Serpentinen und in leichtem Schrofen-Gekraxel (max. I) erstiegen. In schotterigem Gehgelände, auf leichten, versicherten Schrofen und über eine markante Platte geht es wieder etliche Hm nach unten in die tief eingeschnittene Socktalscharte, wo es einen weiteren Abstieg zum Waltenberger Haus gibt. Die Etappe zum nächsten Zwischenziel, dem sog. "Wilden Mann", beginnt mit einem steilen, aber unschwierigen Aufschwung (felsiges Gehgelände, versicherte Schrofen); leichtes Gehgelände leitet hinüber zum markanten Turm des Steinschartenkopfs, wo man die beiden meist fotografierten Stellen des Höhenwegs trifft: die kurze Metallbrücke über einem Einschnitt und eine ebenso harmlose Leiter. Nun zunächst links, dann rechts vom Grat mit etwas Höhenverlust weiter, bis man in der Kleinen Steinscharte auf den Abzweig nach Holzgau trifft (Schild, Aufschrift auf Felsen). Wer noch Zeit und Kraft hat, kann hier optional noch dem Hohen Licht einen Besuch abstatten (S. Tipp 2).
__ Abstieg: die ersten 200Hm ab der Kleinen Steinscharte sind überaus steil und haben eine unangenehm bröselige Geröllauflage, die man nicht einmal abfahren kann (Vorsicht: grosse Steinschlaggefahr!). Hier sind mehrere Wegvarianten markiert, man orientiert sich -das jeweils beste Gelände nutzend- allmählich etwas nach rechts (SW) hinüber, wo man im grossen Geröllkessel wieder auf deutlichere Steigspuren trifft. Der Weg wird immer besser und führt schliesslich als kleiner Steig hinunter in die grüne Almlandschaft am Schochenalp-See (SO). Nun folgt man immer dem Bach in NO-Richtung talauswärts und passiert die beiden verfallenen Schochen-Almen. An der unteren der beiden beginnt ein bequemer Karrenweg, auf dem sich das Teilstück zur Rossgumpen-Alm recht angenehm zurücklegen lässt. Rückweg nach Holzgau auf dem bekannten Fahrweg durch die Schlucht...

__ Tipp 1 (Muttlerkopf): von der Hütte kurz in Aufstiegsrichtung zurück, bis ein Wegweiser nach links (NO) hinüberweist. Durch Wiesengelände hinauf zu einer weiteren Verzweigung, wo man sich rechts hält (SO, Richtung Krottenkopf). Kurz nach Erreichen des Östlichen Mädele-Jochs zweigt der Steig zum Muttlerkopf linker Hand ab (N, Schild). Nun muss man nur noch in zahlreichen Serpentinen hinaufsteigen zum grasigen Gipfel. Abstieg wie Aufstieg; Zeitbedarf Aufstieg ab Hütte: ca. 1:15
__ Tipp 2 (Hohes Licht): von der Kleinen Steinscharte umrundet man mit etwas Höhenverlust das nächste Felseck, quetscht sich durch ein Felstor und passiert die Abzweigung zur Rappenseehütte. Nun quert man auf felsigem Steig unterhalb des Gipfels hindurch nach S, ersteigt mit Hilfe eines Drahtseils ein paar glatte Platten und gelangt schliesslich von der S-Seite her über leichte Schrofen und Gehgelände zum aussichtsreichen Gipfel. Abstieg wie Aufstieg; Zeitbedarf Aufstieg ab Kleiner Steinscharte: ca. 45min.

Fazit
Zu recht berühmter Höhenweg über einige der höchsten Allgäuer Gipfel; landschaftlich nur schwer zu überbieten! Mit der Mädelegabel ist auch ein stattliches Gipfelziel geboten, dessen Besteigung schon etwas Kraxelgeschick (Grad I+) und Schwindelfreiheit verlangt. Natürlich ist der Heilbronner kein Geheimtipp mehr und zur Hochsaison entsprechend überlaufen. Wir haben gute Erfahrungen damit gemacht, als Ausgangspunkt der Rundtour das Lechtal zu wählen und nicht -wie 95% der anderen Wanderer- das Stillach-Tal ab Oberstdorf. So entfällt nicht nur die Abhängigkeit von öffentlichen Verkehrsmitteln oder Rad, sondern man ist auch "antizyklisch" unterwegs: d.h. man trifft zwar um die Mittagszeit auf den geballten Gegenverkehr von Rappenseehütte oder Waltenberger Haus, in der Früh und am Abend hat man aber genügend Gelegenheit, in Ruhe auf der Mädelegabel oder dem Hohen Licht zu sitzen! Man kann sich streiten, ob der Heilbronner Weg nun ein Klettersteig ist oder ein Höhenweg mit versicherten Stellen. Vom Gipfelaufstieg der Mädelegabel mal abgesehen, wird nirgends mehr verlangt als ganz leichte Schrofenkraxelei (max. I); auch die versicherten Stellen sollten kein Problem darstellen. Die Mädelegabel verlangt in ihrem Gipfelstock Kraxelgeschick bis I+ und Schwindelfreiheit. Keinesfalls unterschätzen sollte man den Heilbronner Weg in konditioneller Hinsicht: die Etappe Kemptner Hütte - Rappenseehütte ist offiziell mit 6:30h ausgewiesen und das viele Auf und Ab ist kraftraubender als mancher zunächst glaubt. Wer ausser Mädelegabel auch das Hohe Licht mitnimmt und noch -wie wir- die 1400Hm ins Lechtal absteigt, hat ein ausgesprochen tagfüllendes Programm vor sich.

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