> Der Süden: Fish River Canon und Lüderitz
> Namib-Wüste und Naukluft-Park
> Die Küste: Swakopmund und Cape Cross
> Damaraland: Spitzkoppe, Brandberg, Twfelfontein
> Elefanten, Nashörner & Co im Etosha-Park
> Waterberg
> Game Lodges und Pirschfahrten


Auch wenn man Namibia zunächst mit roten Sanddünen und Wüste assoziiert: das Land hat weitaus mehr zu bieten. Klimatisch, kulturell und landschaftlich sowieso. Auf unserer ersten Namibia-Reise 1996 sind wir mit Jeep und Dachzelt durch das nördliche Namibia gereist und haben uns bei afrikanischem Dauerregen quer durch den Caprivi-Zipfel bis zu den Victoria Falls geackert - zur damaligen Zeit noch ein recht abenteuerliches Unterfangen. Die zweite Reise 1998 führte uns dann in den staubtrockenen Süden und über die Grenze nach Südafrika.
Mit fast 20 Jahren Abstand haben wir nun das Land nochmal bereist und waren gespannt, was sich in der Zwischenzeit verändert hat. Unsere (rein subjektive) Analyse:
  • Man muss seine Reiseroute nicht mehr nach der Verfügbarkeit von Tankstellen und Campingplätzen ausrichten. Die Infrastruktur hat sich sehr verbessert.
  • Namibia ist afrikanischer geworden, der Einfluss der Deutschen hat nachgelassen. Das ist gut so, denn viele der Namibia-Deutschen, die wir auf unseren früheren Reisen trafen, hatten nicht so hohe Sympathiewerte und teilweise sehr besondere Weltbilder. Wir wollten jedenfalls nie mit zur Parade anläßlich Führers Geburtstag!
  • Neben den vielen armen Leuten ist offenbar auch eine schwarze Mittelschicht entstanden, die sich fesche Autos und Restaurantbesuche leisten kann. Das kann nur gut sein.
  • Der Tourismus hat stark angezogen. Wer in der Hauptreisezeit (Juni-August) unterwegs ist, muss inzwischen offenbar früh buchen, ggf. auch Campingplätze vorreservieren und sich an den Hauptsehenswürdigkeiten ins Gedränge einreihen. In der Nebensaison ist davon nichts zu spüren. Die allermeisten Reisenden sind ohnehin organisiert unterwegs, durch antizyklisches Verhalten kann man Gewimmel jeder Art vermeiden.
  • Einiges, was man früher einfach individuell gemacht hat, ist heute nur noch mit Führung möglich. Der "Dank" hierfür geht an viele unvernünftige Touristen, die sich z.T. unmöglich benommen haben bzw. Schaden angerichtet haben.
  • Die Tiere wurden verstärkt in die Nationalparks zurückgedrängt. Ein Großteil des Landes in inzwischen eingezäunt und gehört den weitläufigen Rinderfarmen. Und die dulden keine "Mitesser" in Form von Antilope, Zebra oder Elefant.
Fazit:
Namibia ist das ideale Land für "Afrika-Einsteiger". Es ist afrikanisch genug, um die Faszination dieses Kontinents spüren zu lassen, aber sicherer und ungefährlicher als die meisten anderen afrikanischen Länder - gesunden Menschenverstand vorausgesetzt. Die allermeisten Namibier sind kontaktfreudig, freundlich, hilfsbereit und (im Gegensatz zu so manchem Touristen) ausgesprochen höflich. Nehmen Sie sich also Zeit für einen kleinen Ratsch oder etwas Smalltalk, das öffnet viele Türen. Und leben Sie damit, dass so manche "Problemlösung" anders aussieht oder länger dauert als bei uns daheim. Namibia ist für afrikanische Verhältnisse ein geradezu sensationell gut funktionierendes Land mit stetig wachsender Infrastruktur. Bewegen Sie sich nach Möglichkeit nicht nur von Lodge zu Lodge, sondern kommen Sie (sofern sprachlich möglich) mit den Einheimischen ins Gespräch - sie werden sich über Ihr Interesse freuen!
Wer auch mal Land&Leute besuchen möchte und Fragen hat, kann sich gerne an uns wenden: Kontakt


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Der Süden: Fish River Canon und Lüderitz

Wer noch nie zuvor in Namibia war und von Windhoek aus der B1 nach Süden folgt, wird möglicherweise ein wenig desillusioniert: über viele Hundert Kilometer kargste Landschaft, Geröllwüste und Staub. Dazwischen triste Ortschaften und Wellblech-Dörfer, bei denen man sich unwillkürlich fragt, wovon die Bewohner leben. Viel Abwechslung gibt es entlang der Strecke auch nicht; wer mag, kann natürlich den Kraterrand des Brukkaros besteigen und von oben noch mehr öde Landschaft betrachten. Spannender wird es erst wieder nördlich der Kreisstadt Keetmanshoop, wo man an mindestens zwei Stellen sehr pittoreske Köcherbaum-Wälder besuchen kann (bevorzugt zum Sonnenunter- oder -aufgang). Hinter Keetmannshop führt eine meist gut gepflegte Schotterstraße zu einem der Highlights Namibias, dem Fish River Canyon. Der "kleine Bruder" des Grand Canyon ist lang nicht so berühmt wie der amerikanische Verwandte, aber durchaus spektakulär. Aufgrund vieler Unfälle und Zusammenbrüche darf man inzwischen leider nur noch mit Guides zum Canyon-Grund absteigen, Do-it-yourself-Wanderungen -wie wir sie vor Jahren noch unternommen haben- sind inzwischen strengstens verboten.
Weil wir schon mal so weit im Süden sind, machen wir uns entlang der B6 auch noch auf den langen Weg nach Lüderitz, einem der windigsten Orte weltweit ("windig" im Sinn von "stürmisch"). Schon kurz hinter der -nur auf den ersten Blick- trostlosen Ortschaft mit dem bezeichnenden Namen Aus geht die Geröllwüste langsam in Sand über, gerne wabert auch mal eine Mini-Düne über die Fahrbahn, zudem wird es mit jedem Kilometer kühler und windiger. Lüderitz selbst ist ein bizarrer Ort: auf drei Seiten von Wüste, auf einer von Meer umgeben; Vegetation eher Fehlanzeige. Der Ortskern und die sehenswerte Kirche sind allerdings liebevoll in Stand gehaltene Relikte der deutsche Kolonialzeit. Mehr Kontrast geht kaum. Sehr empfehlenswert: eine geführte Tour durch die ehemalige deutsche Siedlung Kolmannskuppe (wenige km von Lüderitz), deren Bewohner für kurze Zeit durch Edelsteinvorkommen ein ansehnliches Auskommen hatten. Trinkwasser gab es zwar nicht (musste auf Karren aus Südafrika herangeschafft werden), dafür aber eine Kegelbahn, einen Turnverein und eine Eisfabrik (man muss halt Prioritäten setzen!). Heute werden die Gebäude wieder allmählich von der Wüste vereinnahmt, bieten aber immer noch interessante Einblicke in die deutsche Kolonialgeschichte.


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Die Namib-Wüste und der Naukluft-Park

Wer von Lüderitz nach Norden Richtung Swakopmund fährt, kommt durch das riesige Gebiet Namib-Naukluft. Große Teile davon sind unter Naturschutz oder in privater Hand (und somit nur den Gästen von Edel-Lodges zugänglich), aber der Rest ist immer noch groß und vielfältig genug. Von Süd nach Nord ändert sich das Bild mehrmals: von felsigen Hügeln und Canyons zu Geröllwüsten und schließlich -nahe der kleinen Ortschaft Sesriem- zu den größten Sanddünen der Welt. Man ist sicher nicht allein, wenn sich frühmorgens die Schranken des Nationalparks öffnen und die Besucher zum Sonnenaufgang auf der Düne hereinströmen. De facto ist es aber einfach, den Massen zu entgehen, denn 99% der Besucher streben zum Sonnenaufgang auf die leicht erreichbare und immer "gespurte" Düne45. Man nehme irgendeine andere Düne, pflüge sich mühsam hinauf und hat seine Ruhe. Natürlich führt uns der Weg auch zu zwei der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Namibias: den von hohen roten Dünen umgebenen Salzpfannen Sossusvlei und Deadvlei (letztere ist aufgrund der Baumskelette noch ein wenig skuriler). Auch hier kann man durch antizyklisches Vorgehen Ruhe und Einsamkeit finden: die meisten Touristen (vor allem alle geführten Gruppen) verbringen nicht viel Zeit in den schattenlosen Vleis und treten bereits am frühen Vormittag den Rückzug an. Man muss halt einfach nur länger bleiben. Natürlich wird es dabei immer heisser, aber ob es nun 39 Grad oder 41 Grad hat, ist dann auch schon wurscht. Tipp: extrem viel Wasser mitnehmen und die letzten vier Kilometer vom Großparkplatz zu den Vleis nur mit soliden Allrad-Kenntnissen befahren (Alternative: Shuttle-Taxis). Am Nachmittag lohnt sich dann ein Spaziergang durch den angenehm beschatteten Sesriem Canyon.
Einer unserer Lieblingsplätze in Namibia ist der kleine Naukluft-Nationalpark, dessen Eingang fast ein wenig versteckt an der D854 bei Büllsport liegt. Schon auf der 10km-Strecke zur Rezeption werden die Felswände immer höher und das Gelände grüner und schluchtartiger. Vom wunderschön am Fluss gelegenen Campingplatz lassen sich zwei tolle Tageswanderungen machen (jeweils viel Wasser mitnehmen):
- der Waterkloof-Trail (8h) ist im Prinzip einfach, durch das geröllige Terrain aber recht mühsam. Anfangs verläuft die Trasse ("Weg" wäre das falsche Wort) wenig aussichtsreich im Schluchtboden, führt danach aber über diverse Bergkuppen, bevor man gegen Ende die ultimative Belohnung bekommt: eine Serie der schönsten Felsen-Pools, die man sich vorstellen kann. Korrekte Badebekleidung ist nicht nötig :-)
- der Olive-Trail (5h) ist zum großen Teil ebenfalls einfach und geröllig, bietet aber zum Schluß ein kurzes Kletter-Intermezzo für Schwindelfreie.
Als besonderen Service bietet der kleine Campingplatz ein "Baboon-Chase-Off"-Kommando: zur Abenddämmerung werden die lästigen und nicht ungefährlichen Paviane von topfdeckelschlagenden Kindern aus der Nachbarschaft mit viel Geschrei ins Bett geschickt.


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Die Küste: Swakopmund und Cape Cross

Swakopmund ist nach Windhoek die zweitgrößte Stadt des Landes und wird klimatisch -ähnlich wie Lüderitz- vom kalten Benguela-Strom dominiert. Während man 20km weiter landeinwärts in der brüllend heißen Wüste schwitzt, ist Swakopmund berühmt für Nebel und feuchte Kälte. Wer nur Shorts und T-Shirts eingepackt hat für den Namibia-Urlaub, wird lausig kalte Nächte erleben. Swakopmund ist hübsch herausgeputzt, etliche beeindruckende und liebevoll gepflegte Gebäude erinnern an die Kolonialzeit. Mehr als einen Tag muss man für die Besichtigung der Stadt aber nicht einplanen.
Wer botanisch interessiert ist, kann in der Nähe von Swakopmund "lebende Fossilien" besichtigen: die Pflanze Welwitschia mirabilis ist zwar nur bedingt schön, aber sehr robust und wird mehrere Hundert Jahre alt. Die nur in Namibia und Angola vorkommende Pflanze bezieht einen Teil ihres Wasserbedarfs aus dem oben erwähnten Küstennebel. Schön, dass der auch für was gut ist!
Als bekennende Robben-Fans ist für uns der Besuch der Pelzrobben-Kolonie Cape Cross ca. 70km nördlich von Swakopmund ein Muss. Nirgends kann man den lebhaften Tieren so nahe kommen, denn die für die Touristen gebauten Stege werden von den Robben gern als Sonnenschutz zweckentfremdet. Wer im Juli in der Gegend ist, sollte auf den Besuch in Cape Cross verzichten oder -bei entsprechendem Nervenkostüm- extra hinfahren. Dann ist nämlich Schlachtzeit und bis zu 80.000 der 100.000 Robben werden mit Holzprügeln erschlagen, weil sie den Fischereiflotten als "Mitesser" im Weg sind.
Beim Ausflug nach Cape Cross bekommt man schon einen guten Eindruck von der Trostlosigkeit der sog. Skelettküste, die sich von Swakopmund bis hinauf zur angolanischen Grenze erstreckt. Wer nicht passionierter Angler oder Strandsurfer ist, dem wird eine kleine Stippvisite in diese wüste Gegend reichen. Die Skelettküste trägt ihren Namen nicht umsonst: waren Schiffbrüchige dem Tod durch Ertrinken entronnen und an die Küste gelangt, so erwartete sie zynischerweise der sichere Tod durch Verdursten.


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Damara-Land: Spitzkoppe, Brandberg, Twyfelfontein

Wer auf der B2 zwischen Windhoek und Swakopmund unterwegs ist, kommt ohnehin fast am "Matterhorn Namibias", der Spitzkoppe, vorbei. Schroff ragt sie in den blauen Wüstenhimmel, bei Sonnenauf- oder untergang nimmt ihr braunroter Fels phantastische Färbverläufe. Sehenswert sind die Felsmalereien am "Bushman's Paradise", die in kurzer, steiler Kletterei zu erreichen sind (gesichert, nur mit Guide). Wer in Sachen Camping unterwegs ist: der von der Dorf-Gemeinschaft geführte Campingplatz am Fuße der Spitzkoppe hat große Chancen, zum schönsten Campingplatz Namibias gekürt zu werden. Zumindest von uns.
Der Brandberg ist mit über 2500m die höchste Erhebung Namibias. Seine Besteigung ist eine ernsthafte Angelegenheit (mehrtägige Tour ohne "Infrastruktur", ohne Wege und ohne Wasser). Für jeden zu schaffen ist aber der kurze Spaziergang zur "White Lady", einer bekannten Höhlenmalerei. Dass man sie heutzutage auch nur noch mit Führung besichtigen darf, hat man -ähnlich wie an der Spitzkoppe- idiotischen Touristen zu verdanken, die die Malereien in der Vergangenheit stark beschädigt haben .
Ca. 50km von der Kreisstadt Khorixas (sprich: Korichas) befindet sich -mitten in einer an sich öden Landschaft- eine echte Sensation. Im wild aufgetürmten Blockwerk einer Hangflanke finden sich sehr gut erhaltene Felsgravuren. Im Gegensatz zu den Felsmalereien an Spitzkoppe und Brandberg haben sie die Jahrtausende nahezu unbeschadet überstanden. Erstaunlicherweise zeigen die Gravuren nicht nur dort vorkommenden Tiere wie Antilopen und Giraffen, sondern mit Robben und Pinguinen auch Tiere der gut 100km entfernten Küste. Ob die Bushman-Graveure vor 2000- 10.000 Jahren schon so mobil waren?


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Elefanten, Nashörner & Co im Etosha-Park

Der Etosha-Nationalpark dürfte bei Tierfreunden einer der bekanntesten Nationalparks Afrikas sein. Der Name "Etosha" bedeutet übersetzt "großer, weißer Platz" und bezieht sich auf die knapp 5000qkm große Salzpfanne im Herzen des Parks. Dank einiger dauerhaft Wasser führender Quellen plus etlicher künstlicher Wasserlöcher hält sich ganzjährig eine große Vielzahl an Tieren im Etosha auf. Zwischen Sonnenauf- und untergang darf man beliebig auf den zahlreichen Sandpisten des Parks herumfahren, allerdings den Wagen nicht verlassen. Es empfiehlt sich, früh aufzustehen und die erste Rundfahrt in den Morgenstunden zu unternehmen; in der Mittagshitze sind die wenigsten Tiere aktiv. Die drei staatlichen Camps im Park (Okaukuejo, Halali, Namutoni) bieten sowohl Camping als auch Lodge-Unterkünfte und für die Mittagspause einen Pool. Besonderes Highlight in allen Camps: das beleuchtete Wasserloch, wo man die ganze Nacht über durstige Tiere beobachten kann, die man tagsüber selten trifft (Brotzeit und Rotwein nicht vergessen).
Im Park leben ca. 145 Säugetier-Arten, darunter Elefanten, Nashörner, Löwen, und über 300 verschiedene Vogelarten.


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Waterberg

Wer von Windhoek auf der B1 nach Norden fährt und etwas Zeit hat, sollte auf Höhe von Otjiwarongo einen Schlenker nach Osten machen und dem Nationalpark am Waterberg einen Besuch abstatten. Der weitläufige Tafelberg ist umgeben von ungewöhnlich grüner Vegetation. Zahlreiche Lodges und Veranstalter bieten Pirschfahrten und geführte Wanderungen am Waterberg an. Vom schön gelegenen staatlichen Camp Bernabé-de-la-Bat-Camp kann man in ca. 45 Min. über einen ruppigen Steig zum Plateau-Rand aufsteigen und den Sonnenuntergang genießen (an den Rotwein hatten wir schon erinnert, gell?).
Auch hier ist etwas Vorsicht geboten vor den überaus dreisten Pavianen!


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Game Lodges und Pirschfahrten

Der Tourismus in Namibia erlebt in den letzten Jahren einen Boom; besonders beliebt sind relativ hochpreisige "Rundum-sorglos"-Reisen mit Übernachtungen in vorgebuchten Lodges. Wir geben zu, dass wir uns nach wochenlangem Camping auch gerne mal 2 Nächte in so einer Lodge leisten. Meist wird man dort fantastisch gefüttert und kann an diversen Pirschfahrten teilnehmen. Dagegen ist nichts einzuwenden, solange man eins im Auge behält: Game Lodges sind nicht das "wahre Leben", sondern überdimensionale Zoos. Um den Besuchern etwas zu bieten, werden -gemessen an der Fläche- viel zu viele Tiere gehalten, teilweise auch Arten, die in freier Wildbahn in Namibia gar nicht vorkommen. Wer mal zur falschen Zeit (sehr früh morgens) auf so einer Farm herumstapft, sieht vielleicht den Lkw-Konvoi, der das frische Gras für die Tiere herankarrt. In der Trockenzeit muss es tw. aus Südafrika geliefert werden - und das täglich!
Für Fotografen ist so eine Game Lodge mit entsprechender Tierdichte und kundigem Fahrer natürlich ein Traum! Sehr zu empfehlen: die Mount Etjo Lodge bei Kalkfeld.


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