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> Man spricht "botanisch"...

Dies ist keine Seite für professionelle Botaniker; diese mögen uns die folgenden Vereinfachungen bitte nachsehen. Die Seite wendet sich an botanische Laien und soll praktisches Wissen für unterwegs bzw. Hilfestellung zur Pflanzenbestimmung leisten...

Die wichtigsten Pflanzenfamilien


Arnika

Korbblütler


Kennzeichen:
Körbchen- bzw. köpfchenförmige Blüte, die aus Röhrenblüten und/oder Zungenblüten zusammengesetzt ist und wie eine einzige grosse Einzelblüte wirkt. So besteht z.B. das gelbe "Auge" von Margarite oder Gänseblümchen aus Röhrenblüten, umgeben von weissen Zungenblüten. Während eine Flockenblume z.B. nur Röhrenblüten hat, besteht eine Wegwarte ausschliesslich aus Zungenblüten.
"Foto-Modell": Arnika
Andere Beispiele: Alpen-Aster, Edelweiss, Berufkraut, Gemswurz, Huflattich, Kornblume
Schaumkraut

Kreuzblütler


Kennzeichen:
Charakteristisch sind die vier kreuzförmig angeordnete Blütenblätter und die sechs Staubblätter (4x lang, 2x kurz). Die Blüten sitzen traubenförmig auf den Stengeln; als Früchte werden Schoten bzw. Schötchen ausgebildet.
"Foto-Modell": Schaumkraut
Andere Beispiele: Brillenschötchen, Gemskresse, Zahnwurz, Täschelkraut
Salbei

Lippenblütler


Kennzeichen:
Die Blütenblätter bilden eine charakteristische, schnabelförmige Ober- und Unterlippe aus. Neben den vier Staubblättern (2x kurz, 2x lang) weisen Lippenblütler oft einen vierkantigen Stengel und kreuzweise gegenständige Blätter auf.
"Foto-Modell": Gelber Salbei
Andere Beispiele: Goldnessel, Pyramidengünsel, Wirbeldost, Batunge, Drachenkopf
Gauklerblume

Rachenblütler (=Braunwurzgewächse)*)


Kennzeichen:
Bei dieser Pflanzenfamilie sind die Blüternblätter mehr oder weniger stark zu einem Rachen, Schlund oder Trichter verwachsen. Als Frucht werden idR Kapseln ausgebildet.
"Foto-Modell": Gauklerblume
Andere Beispiele: Alpenrachen, Alpenhelm, Fingerhut, Klappertopf, alle Arten Läusekraut

*) die Familie der Rachenblütler befindet sich stark im Umbruch: so werden Läusekraut, Klappertopf, Alpenrachen, Wachtelweizen zunehmend den Sommerwurzgewächsen zugerechnet; Löwenmaul und Fingerhut hingegen den Wegerichgewächsen. Die Gauklerblume bildet im neuen Klassifikationsschema sogar eine eigene Gruppe.

Hauhechel

Schmetterlingsblütler


Kennzeichen:
Die Blüte besteht aus zwei seitlichen Blütenblättern, einem aus zwei Blütenblättern zusammengewachsenen "Schiffchen" unten und einer aufgerichteten, oft etwas umgeschlagenen "Fahne" oben. Die Staubblätter sind oft zu einer Röhre verwachsen, als Früchte werden Hülsenfrüchte ausgebildet.
"Foto-Modell": Hauhechel
Andere Beispiele: Steinklee, Frühlingsplatterbse, Zwergginster, Süssklee, Lupinen, Wicken
Sterndolde

Doldenblütler


Kennzeichen:
Die Blütenstände befinden sich auf ungefähr gleich langen Haupt- und Nebenachsen, so daß eine schirmartige Gesamtblüte entsteht. Als Doldenblütler gelten nur Pflanzen, deren Haupt- und Nebenachsen im gleichen Punkt entspringen. Als Früchte werden Spaltfrüchte ausgebildet.
"Foto-Modell": Sterndolde
Andere Beispiele: Engelwurz, Bärenklau, Anis, Kümmel, Fenchel, Mannstreu
Waldhyazinthe

Orchideen


Kennzeichen:
Orchideenblüten bestehen aus drei äusseren (Kelchblätter bzw. Sepalen) und drei inneren Blütenblättern (Kronblätter bzw. Petalen), Form und Farbe der Blütenblätter fällt dabei sehr unterschiedlich aus. Besonders die mittlere (=untere) Petale kann die verschiedensten Formen annehmen: von schmalen Schnäbeln über breit ausladenden Lippen bis hin zur Schuhform gibt es zahllose Varianten. Die Staubblätter sind mit dem Griffel zu einer Säule verwachsen.
"Foto-Modell": Waldhyazinthe
Andere Beispiele: Waldvögelein, Frauenschuh, Nestwurz, Kohlröschen, alle Arten Stendelwurz, alle Arten Kuckucksblumen

Bestimmungshilfen


Eine sehr eingängige Beschreibung der wichtigsten Pflanzenfamilien und ihrer Merkmale findet sich in der Naturwissenschaftlichen Datenbank von T.Seilnacht oder -als interessantes Lernspiel- in der "Virtuellen Schule"
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Blütenformen und -aufbau


Korbblütler

Korbblütler Lippenblütler

Lippenblütler

z.B. Rosengewächse

Rosenartige Schmetterlingsblütler

Schmetterlingsblütler


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Verbreitungsgebiete und Pflanzengesellschaften


Besiedlung des Alpenraums

Die heutige Alpenflora setzt sich zusammen aus:
  • Vertretern der ursprünglichen tropischen Vegetation (z.B. Hauswurz)
  • Zuzüglern aus anderen Gebirgsregionen wie dem Kaukasus (z.B. Steinbrech)
  • Zuzug von Tieflandgewächsen aus Nordeuropa (z.B. Habichtskraut)
  • Zuzügler aus dem Mittelmeerraum (z.B. Knabenkraut)
In Eiszeiten und Wärmeperioden wurden die jeweiligen Siedlungsgebiete verschoben und durchmischt. Einzelne Erhebungen ragten während der Eiszeit aus den Eismassen heraus (sog. "Nunataks") und erhielten sich so eine eigene, tw. endemische Flora (z.B. Monte Baldo am Gardasee).

Besonderheiten des alpinen Lebensraums
Faktoren:
  • Schneedecke bietet Schutz gegen Kälte, Wind und Austrocknung, garantiert relativ hohe Bodentemperatur
  • starke Temperaturschwankung Tag/Nacht
  • kurze Vegetationsperioden
  • Wassermangel auf felsigem Untergrund und Schutt
  • Schäden durch Schneebruch, Lawinen, Geröllbewegung
  • unterschiedlicher Bewuchs von schneegefüllten Mulden und freigewehten Kuppen
  • starke UV-Strahlung bei Schönwetter, Licht-/Wärmemangel bei Schlechtwetter
  • wenig Mikro-Organismen, daher wenig Abbau von Verwelktem, wenig Nährstoffe
Anpassung:
  • Polsterform (Schutz gegen Kälte und Wind; Innentemperatur tw. 20° höher als Aussentemperatur)
  • lange Wurzeln (tw. 5x länger als gleiche Pflanzenart im Flachland)
  • kleine, behaarte oder ledrige Blätter vermindern Verdunstung
  • reduziertes Grössenwachstum
  • beschleunigte Vegetation
  • Knospenanlage wird bereits im Vorjahr vorbereitet
Alpine Lebensbereiche und Pflanzengesellschaften

Die grossräumigste Einteilung erfolgt nach geologisch-ökologischen Faktoren und Höhenstufen:

Geologie/Ökologie:

  • Kalkgestein: Nord- und Südalpen -- ursprüngliche magmatische Erdkruste -- basisch -- relativ warm und trocken
  • Silikatgestein: Zentralalpen -- Meeressedimente, Riffe von Kalkalgen und Korallen -- sauer
Höhenstufen:
  • bis 500m: kolline Stufe
  • bis 1000m: submontane Stufe
  • bis 1500m: montane Stufe
  • bis 2000m: subalpine Stufe
  • bis 3000m: alpine Stufe
  • ab 3000m: nivale Stufe
Wichtige Faktoren sind die Waldgrenze und die sog. Schneegrenze (Beginn der Höhenlage mit weniger als 2 Monaten Schneefreiheit), dazu natürlich auch Sonnen- und Windexposition, Schneemengen etc.
Besondere Lebensräume sind sog. "Schneetälchen" (meist N-seitige Mulden der oberen alpinen Zone auf Silikat mit einer Aperzeit von nur 2-3 Monaten) und "Lägerflure" (jahrzehntelange Nutzung durch Weidevieh führt gebietsweise zu starker Dünger-Anreicherung).
Vikariismus: eng verwandte Pflanzenarten lösen sich über Lebensraumgrenzen hinweg ab und vertreten sich gegenseitig. Beispiele:
  • Kochs Enzian (Gentiana acaulis) vertritt auf Silikatgestein den nur auf Kalk vorkommenden Grossblütigen Enzian (Gentiana clusii)
  • Die Rostrote Alpenrose (Rhododendron ferrugineum) vertritt auf sauren Silikatböden ihre kalkliebende Verwandte, die Bewimperte Alpenrose (Rhododendron hirsutum)
  • Oberhalb von etwa 2300m wird der scharfe Hahnenfuss (Ranunuculus acris) vom Berg-Hahnenfuss (Ranunculus montanus) abgelöst

Frei nach "Alpenpflanzen im Lebensraum, Herbert Reisigl/Richard Keller"

Alpenflora

Die Maus erzählt mehr über die einzelnen Pflanzengesellschaften, sofern man sie auf die folgenden Farbflächen setzt!
Silikat:Kalk:
Schuttbewohner

Der Lebensbereich Schutt- und Geröllhalden ist durch drei Faktoren gekennzeichnet: Trockenheit (Wasser versickert schnell), wenig Erdreich und instabiler Untergrund mit mechanischer Belastung. Um in diesem unwirtlichen Lebensraum zu bestehen, haben sich seine Bewohner verschiedene Taktiken zugelegt:

Schuttwanderer
durchweben mit langen Kriechtrieben den Schutt; die Triebe können sich bei Verletzung/Verschüttung wieder bewurzeln; Spezialist für stark bewegten Untergrund / Beispiel: Täschelkraut, Glockenblume, Schafgarbe

Schuttstecker
verlängerte und verstärkte aufrechte Triebe arbeiten sich durch die Schuttdecke; Spezialist für stark bewegten Untergrund / Beispiel: Gemswurz, Endivien-Habichtskraut

Schuttüberkriecher
legt sich mit schlaffen Trieben über den Schutt; spezialisiert auf wenig bewegten Untergrund / Beispiel: Gänsekresse, Leinkraut, Pestwurz

Schuttdecker
bildet wurzelnde Decken auf dem Schutt; spezialisiert auf wenig bewegten Untergrund / Beispiel: Silberwurz, Steinbrech

Schuttstauer
bilden mit kräftigen Trieben, Pfahlwurzeln, Polstern und einem dichten Wurzelwerk Blockaden für den bewegten Schutt und schaffen so "Ruheinseln" / Beispiel: Gletscher-Hahnenfuss, Alpen-Mannschild, Alpen-Löwenzahn

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Man spricht "botanisch"...


Pflanzen-Stammbaum und Taxonomie

Der Stammbaum einer Pflanze setzt sich zusammen aus Abteilung - Klasse - Ordnung - Familie, die Pflanzenbezeichnung selbst aus Gattung und Art. Ein paar Beispiele:

AbteilungKlasseOrdnungFamilieGattungArtnameDeutscher Name
BedecktsamerZweikeimblättrigEnzianartigeEnziangewächsGentianaluteaGelber Enzian
BedecktsamerZweikeimblättrigKorbblütlerartigeKorbblütlerLeontopodiumalpinumEdelweiss
BedecktsamerZweikeimblättrigLippenblütlerartigeLippenblütlerSalviapratensisWiesen-Salbei
BedecktsamerEinkeimblättrigLilienartigeGermergewächsVeratrumalbumWeisser Germer
BedecktsamerEinkeimblättrigOrchideenartigeOrchideengewächsDactylorhizamaculataGeflecktes Knabenkraut

Die Artnamen bezeichnen die Pflanze näher, indem sie z.B. auf Aussehen (Form, Farbe), Verbreitungsgebiet, Blütezeit, Nutzung o.ä. verweisen. Eine vollständige Liste der Artnamen gibt's hier! Ein paar Beispiele:

Aussehen

latifolius (breitblättrig)angustifolius (schmalblättrig)rotundifolius (rundblättrig)alternifolius (wechselblättrig)
glabrus (glatt)barbatus (haarig)viscosus (klebrig)spinosus (dornig)
album (weiss)lutea (gelb)coeruleus ( blau)purpureus, rubicundus (dunkelrot)
acaulis (stengellos)reptans (kriechend)rectus (aufrecht)ramosus (verzweigt)

Verbreitungsgebiet

alpestris (Alpen-)pratensis (Wiesen-)montanus (Berg-)sylvaticus (Wald-)

Blütezeit

vernalis (Frühlings-)autumnalis (Herbst-)aestivalis (Sommer-)majalis (Mai-)

Nutzen

officinalis (Heil-)tinctorius (zum Färben)

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